China: Land des Lächelns – für aktives Fondsmanagement und Private Equity

Kolumne von Markus Merkel, Leiter Mandate und Kooperationspartner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

 

Als unabhängiger Vermögensverwalter kooperieren wir bei Spezialthemen gerne mit lokalen Experten aus unserem internationalen Netzwerk. Für die Anlagemärkte Japan und China ist dies eine europäische Investment-Boutique mit Analysten vor Ort in Asien. Auf deren Vermittlung hin nahm auch einer der führenden Private Equity – Manager mit Sitz in Shanghai an unserem Strategiezirkel „Investieren in China“ teil. Es zeigte sich, dass sowohl die Chancen für aktives Fondsmanagement bei gelisteten Unternehmen als auch die Opportunitäten für Beteiligungen an Start-Ups historisch günstig sind. Sorgen bezüglich eines eskalierenden Handelskrieges mit den USA haben die Bewertungen in den vergangenen Monaten stark gedrückt.

 

Andere Länder – andere Sitten

China und seine Menschen sind in vielfältiger Hinsicht besonders. Erinnern wir uns nur an die Form eine Visitenkarte zu übergeben. Nicht etwa wie im westlichen Kulturkreis gewohnt durch mehr oder weniger emphatischen Austausch der Kontaktdaten, sondern vielmehr mit leicht vorgebeugtem Oberkörper und unbedingt die Karte mit beiden Händen darbietend. Alles andere käme fast schon einem ausgeschlagenen Händedruck hierzulande gleich. Ist diese Klippe erst einmal umschifft liest man auf chinesischen Business Cards häufig Kombinationen von anglo-amerikanischen Vornamen in Verbindung mit chinesischen Nachnamen. Und das aus gutem Grund. Es zeigt sich der unbedingte Anspruch des neuen China auf Teilhabe am internationalen Wirtschaftsleben. Bereits vor Beginn einer Universitätsausbildung wählt der angehende Wirtschaftsführer einen amerikanisch klingenden Namen, um keinerlei unnötige sprachliche Barrieren aufzubauen. Selbstverständlich erfolgt auch ein Eintrag in offizielle persönliche Dokumente wie Personalausweis oder Heiratsurkunde. Aber dies nur am Rande.

 

Charakteristika des chinesischen Aktienmarktes

China ist heutzutage die zweitgrößte Volkswirtschaft und der drittgrößte Kapitalmarkt der Welt. Kontinuierliche Öffnung und Internationalisierung des Landes führten zur Aufnahme in die globalen Aktienindizes und einer stärkeren Bedeutung auch für internationale Investoren. Chinas strategischer und staatlich gestützter Aufholprozess lässt beispielsweise Megatrends in den Bereichen HealthCare, Künstliche Intelligenz, Digital Economy oder auch Elektromobilität entstehen.

Es lassen sich Unternehmen mit herausragender Qualität identifizieren, so etwa Technologieführer mit zunehmend proprietärer Technologie, die stetig unabhängiger von westlichen Partnern agieren und zudem ein professionelles Management nebst Aufsichtsrat aufweisen. Ebenso hat die Corporate Governance sowie die Bilanzqualität deutlich zugenommen. Über den Zusammenschluss der drei Börsen Shanghai, Shenzen und Hong Kong zur „Hong Kong Connect“ wurde zudem ein Zugang ausländischer Investoren zu den unterschiedlichen Typen chinesischer Aktien und damit auch Arbitrage ermöglicht.

Davon abzugrenzen sind freilich die zahlreichen staatlich kontrollierten Unternehmen (SOEs), die weniger danach streben Interessen ausländischer Minderheitsaktionäre zu maximieren als vielmehr vom politischen Kader eingesetzt werden, um Wirtschaftspolitik zu betreiben. Genau deshalb ist ein Investment in ein passives Vehikel wie einen ETF suboptimal. Investoren in den MSCI China – Index sind hohen Gewichtungen der drei Internetunternehmen (Tencent, Alibaba und Baidu) sowie Staatsbetrieben ausgesetzt. Chinas Zukunftssektoren wie Gesundheitswesen oder Technologie bleiben demgegenüber stark unterrepräsentiert.

 

Positives Sentiment auch im Markt für vorbörsliche Beteiligungen (Private Equity)

Der unbedingte Wille der zentralistischen Ein-Parteien-Regierung, chinesische Weltmarktführer in strategisch wichtigen Schlüsseltechnologien hervorzubringen, spiegelt sich auch in der Private-Equity-Szene des Landes wider. Die Lobbyarbeit in die politische Kaderleitung hinein und eine ganzheitliche Vernetzung mit der Partei ist für die gelingende Markteinführung einer Innovation absolut erfolgskritisch. Mit anderen Worten: Die Gewinnung von Marktanteilen gegen die Interessen der Staatslenker ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Solche wesentlichen Interessen sind die Effizienzsteigerung des Gesundheitssystems und die Gewinnung von Daten über das Freizeit- und Konsumverhalten der Bevölkerung, um auf dieser Grundlage die Volkswirtschaft zentralistisch steuern zu können.

Derzeit werden ca. 40% der Gesundheitsausgaben im Krankheitsfall von Privatpersonen getragen, so dass Geschäftsmodelle, die zur Gesundheitsprävention beitragen können, auf großes Wohlwollen stoßen. So kann es geschehen, dass Staats- und Parteichef Xi Jingping explizit die HealthCare-Innovation eines Start-Ups herausgreift und als „must-have“ für die Zukunft der Nation adelt. Gelingt es dann noch eine Produktneueinführung in enger Abstimmung mit den Managern der staatlichen Krankenhäuser zu entwickeln, indem man im Vorfeld Bedarf, Einsatzmöglichkeiten und Budgets abfragt, so ist ein Erfolg nahezu unvermeidlich. Private-Equity-Firmen agieren hierbei weit mehr als im Westen als Netzwerk-Broker und Türöffner.

Als Beispiel eines Medizintechnik-Unternehmens kann eine börsenreife Firma gelten, die im Sinne von „Vorsorgen ist besser (billiger) als Heilen“ eine Alternative zur Krebsvorsorge der inneren Organe geschaffen hat. Anstelle eines Endoskops kann hierbei eine mit einer Kamera versehene Pille geschluckt werden, so dass auch Patienten behandelt werden können, für die die klassische Methode aus medizinischen Gründen nicht infrage kommt. Stellvertretend für den Technologie-Sektor kann ein Software-Unternehmen angeführt werden, das die gesamte Lieferkette im Fresh Food-Bereich des Amazon-Pendants Alibaba steuert und mit dem Placet des Parteiapparates in gewisser Weise systemrelevant für die Versorgung der Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln geworden ist. Heute bereits wird in China ein erheblicher Anteil an Nahrungsmitteln online geordert.

 

Fazit: China – selten war es so attraktiv wie heute

China bietet in unterschiedlichen Marktsegmenten Investitionsmöglichkeiten in zukunftsorientierte Geschäftsmodelle des neuen China, die auch von der Unterstützung von Staat und Partei profitieren. Ein aktiver Managementansatz und Kooperationen mit Partnern vor Ort sind hierbei ausgesprochen hilfreich, wenn nicht sogar entscheidend für den Erfolg. Diese binnenorientierten Firmen sind zudem gegenüber einem eskalierenden Handelskrieg mit den USA immunisiert.